dgs-Bundeskongress 2026 in Oldenburg

Bericht zum dgs-Bundeskongress 2026

Vom 24. bis zum 26. September 2026 findet der 36. Bundeskongress der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik e.V. in Oldenburg statt!

Am Donnerstag, den 24.09.2026 beginnt um 9.00 Uhr der dgs-Bundeskongress mit der Versammlung der Delegierten aus den 17 Landesgruppen der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) e.V.

Im Hörsaal der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg treten ca. 100 Delegierte zusammen, wählen einen neuen Vorstand und legen die Arbeitsschwerpunkte des Fachverbands für die kommenden Jahre fest.

Auf der Internetseite zum Bundeskongress finden Sie alle Informationen zum Kongressablauf. Das Tagungsprogramm finden Sie hier

Delegiertenversammlung der dgs e.V.

Wahlen des Bundesvorstands

Des Weiteren wählt die Delegiertenversammlung den Bundesvorstand und die Referentinnen und Referenten der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) e.V. - den Ausgang der Wahl finden Sie unter dem Menüpunkt "Wir über uns / Bundesvorstand".

 

Anträge an die Delegiertenversammlung

Die Delegiertenversammlung diskutiert und stimmt über zehn Anträge, die vom Geschäftsführenden Vorstand, dem Hauptvorstand oder auch verschiedenen Landesgruppen eingereicht wurden, ab.

Mit diesen Anträgen werden die wesentlichen Weichen der Verbandsarbeit gestellt.

Donnerstag, 24. September 2026

Die Kongresseröffnung

Im Rahmen einer feierlichen Eröffnung startet der 36. dgs-Bundeskongress ganz offiziell.

Neben den Ehrungen für den Preis "Gute Sprache 2026" für das Projekt SprachKick - ein Gemeinschaftswerk der Beratungsstelle KickIn!, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Aktion Mensch mit Unterstützung der Deutschen Fußball Liga (DFL) - und den Auszeichnungen für Nachwuchswissenschaftler:innen mit dem "dgs-Zukunftspreis 2026" wurde in den Grußworten die Bedeutung der Sprache in ihrer verbindenden Funktion und Kraft hervorgehoben.

Der Bundevorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) e.V., Herr Gerhard Zupp, formuliert deutliche Worte für eine demokratische Gesellschaft, die sich an den Grundsätzen der Menschenwürde, Freiheit und gegenseitigem Respekt orientiert.
Lesen Sie dieses Grußwort hier...

Gerhard Zupp - dgs-Bundesvorsitzender

Grußwort des Bundesvorsitzenden

„Sprache ist, was uns verbindet… in Kita, Schule und Beruf“,

so lautet das Motto unseres diesjährigen dgs-Bundeskongresses hier in Oldenburg. Sprache ist der Schlüssel zu unserem Miteinander. Sie kann Gedanken, Gefühle und Kulturen verknüpfen, Identität stiften und gesellschaftliche Teilhabe erst möglich machen. Sprache ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis – Sprache ist Lebensqualität: Sprache verbindet. 

Sprache ist aber auch Macht - Worte können nicht nur Gedanken ausdrücken, sondern unser gesamtes Denken, unsere Gefühle und unser Handeln aktiv formen. Sprache lenkt unsere Wahrnehmung der Realität, kann Menschen verbinden oder ausgrenzen. Die Worte und Begrifflich-keiten, die wir nutzen, bestimmen, wie wir die Welt verstehen. Ja, Sprache ist Macht  - und leider wird diese Macht auch missbraucht.

Leidvoll erlebt hat unser Land das vor etwas mehr als 80 Jahren mit `der Sprache des Nationalsozialismus`. Die Nationalsozialisten erfanden dabei nur wenige Wörter komplett neu; stattdessen benutzten sie bestehende Begriffe und deuteten diese ideologisch um, sakralisierten die eigene Bewegung und entmenschlichten systematisch ihrer Gegner.

Andere Begriffe oder Wörter wurden erdacht - so wurde 'Gesellschaft' durch den Begriff `Volkskörper` ersetzt. Damit wurde die Gesellschaft als ein biologischer Organismus versucht darzustellen, den es „rein“ zu halten galt. Man könnte noch viele Beispiele aus dieser unsäglichen Zeit nennen.

Das Erschreckende ist, dass sich Gleiches wiederholt!

Immer wieder müssen wir feststellen, dass Funktionäre der AfD mit Aussagen auffallen, die wir im politischen Alltagsdiskurs bisher zu Recht als unaussprechbar empfunden haben. Die Enthemmung und Enttabuisierung schreitet voran. Die Sprache der Fremden- und Menschenfeinde wird immer brutaler und vulgärer. Ich nenne hier nur ein paar wenige Beispiele: Lügenpresse, Remigration, Schuldkult, völkisch, Umvolkung, und, und, und…

Aber das Phänomen `Sprachmissbrauch´ greift schon länger weltweit um sich:  Der derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump ist mittlerweile berühmt für seine vulgäre, sarkastische und konfuse Sprache, die allen Regeln der Grammatik und des Anstandes trotzt und wie fließend ist der Übergang von der Brutalität seiner Worte zu seiner Politik? Was sagt die Verrohung seiner Sprache über den Zustand dieses Landes aus? Und warum geht uns das alle etwas an? Abgehackte Sätze, frei mäandernde Gedanken; kaum einer, der zu seinem Ende findet. Wörter, die selten mehr als zwei Silben umfassen, ein Wortschatz, der das Niveau eines Sechstklässlers erreicht. Die Reduktion der Welt auf Schwarz und Weiß, Gut und Böse, auf bedingungslose Unterwerfung oder entfesselte Attacke.

Dass Sprache und Denken unweigerlich zusammenhängen, hat seinerzeit schon Wilhelm von Humboldt festgestellt. „Die Sprache ist gleichsam die äußere Erscheinung des Geistes der Völker, seine Sprache ist sein Geist, sein Geist ist seine Sprache“, schrieb er vor knapp 200 Jahren. Worte graben sich also in das Bewusstsein und umgekehrt.

Zusätzlich unterliegt Sprache einem rasant schnellem Wandel. Durch die Digitalisierung und ihre Anwendung im Netz und in Sozialen Medien erlebt dieser Wandel eine völlig neue Dynamik. Sprache wirkt abgehackt, die Sätze unvollständig, die Nutzer von Facebook & Co. kommunizieren häufig mit Wortgruppen und Symbolen. Große Botschaften werden in kleine Sätze gepackt.

Gleichzeitig wächst der Anteil von Beschimpfungen und Beleidigungen, die anonym in den Netzwerken ausgetauscht werden. Auch können mit den Verlinkungen der Nachrichtendienste exponentiell viele Menschen erreicht werden. Nachrichten verbreiten sich wie in einem Schneeballsystem und erreichen Tausende in kürzester Zeit in der gesamten Welt. Das verändert grundlegend Kommunikationsprozesse in Politik und Gesellschaft und hat gravierende Auswirkungen auf öffentliche Meinungsbildungsprozesse und die Ergebnisse haben wir gerade in Sachsen-Anhalt erlebt. Wenn man das sprachliche Konzept dieser Partei dabei auf einen Punkt bringt, hieße das:

Fraglos vorhandene Probleme vor allem dort, wo sie nicht sind, mit einfach klingenden Pseudo-Lösungen zuzuschütten.

Victor Klemperer: „Worte können sein wie winzige Arsendosen: Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da“ (Klemperer 1947/2007: 26).

Sprache ist, was uns verbindet in Kita, Schule und Beruf.

Lassen Sie uns alle entschieden antreten mit unseren sprachlichen Möglichkeiten, mit unserer fachlichen Expertise gegen eine Sprache der Gewalt.

Ein gutes Beispiel ist da unser heute zu ehrendes Projekt „SprachKick“. In zahlreichen Debatten rund um den  Sport und da ganz besonders rund um den  Fußball spielen Vorfälle von Diskriminierung immer wieder eine große Rolle. Oft kreisen die Diskussionen dabei um Vorfälle ausgelöst durch die Sprache von Offiziellen, Spieler*innen, Fans oder auch durch Stadionsprecher*innen, Sponsor*innen, Kommentator*innen oder auch durch Merchandise-Artikel und Bilder und Texte auf Vereinswebseiten. Nicht immer geschieht die Diskriminierung absichtlich. Trotzdem hat sie große Auswirkungen: einerseits wirkt sie negativ auf die Betroffenen, andererseits kann sie Anwesende mit einem entsprechenden Weltbild in diesem bestätigen oder gar bestärken. Wie wir sprechen beeinflusst immer auch, wie wir unsere Gesellschaft wahrnehmen und umgekehrt.

Eine inklusivere und bewusstere Sprache kann auch im Fußball dabei helfen, möglichst alle Menschen anzusprechen und einzubeziehen. Auf diese Weise können wir alle dazu beitragen, auf dem Platz, auf den Tribünen und im Vereinsleben, aber auch in allen anderen Bereichen des Lebens in unserer ganzen Gesellschaft Ausgrenzung und Benachteiligung zu verringern.

Lassen sie uns auf diesem Kongress hier in Oldenburg den verbindenden Aspekt von Sprache suchen, finden und feiern.

Ich wünsche uns und Ihnen einen erfolgreichen und gewinnbringenden Kongress,

vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Gerhard Zupp - Es gilt das gesprochene Wort.

Freitag, 25. September 2026

Fachvorträge, Workshops und Sessions

Knapp 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aus ganz Deutschland nach Oldenburg gereist - teils mit großem Aufwand, verursacht durch massive Schwierigkeiten im Bahnverkehr - und besuchen am heutigen Freitag die zahlreichen Fachvorträge, Workshops und Sessions. Aus insgesamt 62 verschiedenen Fachangeboten, die von 160 Referentinnen und Referenten angeboten werden, können die Teilnehmende ihre favorisierten Inhalte auswählen.

In der großen Eingangshalle der Universität Oldenburg bieten Ausstsellerinnen und Aussteller die neuesten Artikel ihrer Produktreihen aus der Forschung und der Praxis der Sprachheilpädagogik und Förderung an.

Kaffee- und Teestände sorgen für Raum und Platz zum Gespräch und zum Austausch - ganz im Sinne des Kongressmottos: Sprache ist, was uns verbindet!

Freitag, 25. September 2026

Sprachheilpädagogische Messe / Sprach-Café / Postersession

"Sprache ist, was uns verbindet." Dieses Motto des Kongresses kommt in besonderer Weise im Rahmen der Sprachheilpädagogischen Messe, dem Sprach-Café und den Postersessions zum Ausdruck.

Der Austausch rund um die Fragen der Sprachförderung und Therapie, der aktuellen Forschungsansätze und der beruflich-professionellen Herausforderungen finden hier Raum und Rahmen.


Ethikkodex der dgs e.V.

Der neue Ethikkodex der Deutschen Geschellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs) e.V. bietet Orientierung für professionelles Handeln im Feld Sprache und Kommunikation. Er ist das Ergebnis eines intensiven fachlichen Entwicklungsprozesses, in dem wissenschaftliche Grundlagen, bestehende Ethikstandards sowie Erfahrungen aus Schule, Frühförderung, Therapie, Hochschule und Forschung zusammengeführt wurden. Gerade in komplexen Entscheidungssituationen unterstützt der Kodex Fachkräfte dabei, ihr Handeln bewusst und begründet auszurichten und weiterzuentwickeln.

Pakt für Inklusion

Inklusive Bildung und Digitalisierung zusammen denken!

Inklusive Bildung und Digitalisierung sind große gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die kraftvoll und engagiert umgesetzt werden müssen. Der Pakt für Inklusion 2021 fordert daher:

Inklusion und Digitalisierung zusammen denken und verwirklichen.

Hierfür legt ein breites Bündnis aus Verbänden der Pädagogik bei Behinderung und Benachteiligung sowie organisierten Selbstvertretungen von Menschen mit Behinderung und deren Familien ein Memorandum vor. Die Forderung lautet:

Bildungsteilhabe ist ein Menschenrecht. Alle jungen Menschen müssen Zugang zu hochwertiger inklusiver Bildung und digitalen Lernangeboten erhalten. Inklusiver Bildung wird aktuell sowohl gesellschaftlich als auch politisch viel zu wenig Bedeutung beigemessen. Visionen, Projekte und konkrete Maßnahmen zur Digitalisierung von Bildungsprozessen werden unzureichend an das Gütekriterium der Barrierefreiheit gebunden; damit sind auch die Vorgaben zum Universal Design nicht umsetzbar.

Exemplarisch für das systematische Ausblenden der Themenbereiche Inklusion und barrierefreie Digitalisierung ist der Beschluss der KMK vom 15.10.2020: Politische Vorhaben zur Ländervereinbarung über die gemeinsame Grundstruktur des Schulwesens und die gesamtstaatliche Verantwortung der Länder in zentralen bildungspolitischen Fragen. Hier finden sich weder konkrete Aussagen zur inklusiven Bildung (Artikel 12 der Ländervereinbarung) noch ein einziges Mal der Gedanke der Barrierefreiheit.

Diskriminierungsfreiheit sieht aus unserer Sicht anders aus.

Die Mitglieder des Pakts für Inklusion 2021 appellieren daher an alle Entscheidungstragenden in Bund, Ländern und Kommunen, die personellen, sächlichen, organisatorischen sowie barrierefreien Voraussetzungen für gute inklusive Bildung und Digitalisierung/Digitalität bedingungslos zu gewährleisten.

Hierfür müssen auf allen Ebenen entsprechende finanzielle und inhaltliche Anstrengungen unternommen werden. Bei allen Bemühungen um Fortschritte in der Digitalisierung darf das grundsätzliche Eintreten für inklusive Bildung nicht vernachlässigt werden.

 

Für die weitere Befassung mit der Thematik lesen Sie bitte das vollständige Memorandum unter >>>diesem Link<<<


 

Die dgs e.V. - Der Film

Newsletter abonnieren

Seit einiger Zeit gibt es für alle Mitglieder kostenlos das digitale Infoangebot „dgs aktuell“. Damit kommen wir dem Wunsch vieler Mitglieder nach, zeitnah und papiersparend aktuelle Informationen, Termine und Materialtipps im Bereich der Sprachheilpädagogik von der dgs zu erhalten.

Neben unserer „Praxis Sprache“ und „Forschung Sprache“ können Sie als dgs-Mitglied also zukünftig auch auf diesem elektronischen Weg von uns als Bundesvorstand ab und an spezifische Angebote, brandheiße Neuigkeiten und wichtige Ereignisse schnell und unkompliziert erfahren. Wir freuen uns schon jetzt über Ihr Interesse und auf Ihre Rückmeldungen sowie Anregungen, denn wir möchten mit Ihnen auf diesem Weg auch in den Austausch treten.

„dgs aktuell“ wird je nach Bedarf ca. 2-4 Mal an Sie versandt.

Falls Sie Interesse haben und das Angebot bisher noch nicht erhalten, teilen Sie uns bitte Ihre Mailadresse an sprache-macht-stark(at)dgs-ev.de mit (evtl. auch, falls sich diese in letzter Zeit geändert haben sollte).