Kontextoptimierung nach Motsch 2002

Die Kontextoptimierung ist ein empirisch überprüftes, unterrichts- und therapiedidaktisches Konzept zur Behandlung von grammatischen Störungen bei Kindern, das zwischen 1999-2003 von Hans-Joachim Motsch entwickelt wurde. Ziel des Konzepts ist, dass die Kinder „ihre Blockaden im grammatischen Lernen überwinden und einen Zuwachs ihrer grammatischen Fähigkeiten erreichen“
(MOTSCH 2006, 84).

 

Die Funktionsweise der Kontextoptimierung

In der kontextoptimierten Therapie soll die kindliche Aufmerksamkeit auf bisher unentdeckte formale Aspekte der Sprache gelenkt werden, um den Regelerwerb zu forcieren. Der Ausgangspunkt dafür ist, den Kontext für den Erwerb der grammatischen Regeln zu optimieren, das heißt, die bestmögliche Lernsituation in der jeweiligen Therapie- oder Unterrichtseinheit zu schaffen. Um dies zu erreichen, sollte sich die Therapie- oder Unterrichtsgestaltung an den drei Hauptprinzipien Ursachenorientierung, Ressourcenorientierung und Modalitätenwechsel orientieren.


Die Prinzipien der Kontextoptimierung:


1. Ursachenorientierung:

Es muss berücksichtigt werden, dass viele grammatisch gestörte Kinder Schwierigkeiten im Bereich der auditiven Aufmerksamkeit, der phonologischen Diskriminationsfähigkeit und der phonologischen Bewusstheit haben. Dies wird durch den Einsatz folgender Maßnahmen umgesetzt:

- Sensibilisierung für distinktive Morphemmarkierungen (z.B. deN und deM)

- aufmerksamkeitsfördernde Sprechweise des Therapeuten (z.B. fraktioniertes Sprechen)

- Auswahl der kürzesten Zielstruktur zur Ausschaltung sprachlicher Ablenker (z.B. „Welchen Apfel willst du? – Den Apfel oder den?“)

- gezielte Planung des Sprachmaterials zur Ausschaltung von „Verwirrern“ (z.B. inkonsequente Verwendung der V-2-Stellung)


2. Ressourcenorientierung:

Es soll versucht werden, individuell vorhandene metasprachliche und auch schriftsprachliche Fähigkeiten des Kindes zu nutzen.
Formate des Kindes finden und beibehalten (therapeutischer Kontext wird nach Interessen des Kindes gewählt)

- metasprachliche Gespräche zur Reflexion der Zielstrukturen

- wahrnehmbare Strukturen (Visualisierung von Sprachstrukturen, Gesten, auditive Impulse)

- handlungsmäßige Erfahrungen

- Einsatz von Schrift als Erinnerungshilfe


3. Modalitätenwechsel

Es sollte zwischen weniger sprachbewussten und verstärkt sprachbewussten Spiel- und Arbeitsformen abgewechselt werden, indem Rezeptions-, Produktions- und Reflexionsphasen aufeinander folgen. Folgende Planungshilfen für den Modalitätenwechsel werden angegeben:

- zwingende Kontexte für die Realisierung der Zielstruktur schaffen

- Anpassung der eigenen Redebeiträge an die Zielstruktur

- Kommentierungen des Kindes zwingend machen, um präzise Äußerungen zu evozieren

- Macht der Worte (Vermitteln der Erfahrung, dass Worte bestimmte Effekte auslösen)

Bei der Planung und Durchführung von kontextoptimierten Einheiten sollten möglichst alle genannten Aspekte berücksichtigt werden.


Die Therapieschwerpunkte:

Motsch nennt sechs grammatische Bereiche, deren Förderung er in der Grammatiktherapie für vordringlich hält:

1. Verbzweitstellung und Subjekt-Verb-Kongruenz

2. Kasusmarkierungen

3. komplexe Syntax

4. Überwindung der Artikelauslassung

5. Genusmarkierungen

6. Pluralmarkierungen

Die Planung des Sprachmaterials zur therapeutischen Umsetzung der Ziele orientiert sich an den formalen Strukturen, die im regulären Spracherwerb zum grammatischen Regelerwerb führen. Ob ein Förderbedarf in den einzelnen Bereichen besteht, kann mithilfe spezieller ESGRAF-Ergänzungen, die die Zielstrukturen geballt elizitieren, ermittelt werden.


Die Umsetzung:

Das Konzept der Kontextoptimierung umfasst für jeden Therapieschwerpunkt eine Reihe von Spielideen zu unterschiedlichen therapeutischen Kontexten, die in der Einzel- und teilweise auch in der Gruppentherapie umgesetzt werden können.
Des Weiteren haben Eisert und Rist Modifikationen von bekannten Regelspielen im Sinne der kontextoptimierten Therapie entwickelt. (EISERT und RIST 2009)

 

Literatur

EISERT, Debora und Ariane RIST (2009): Spiele zur grammatischen Sprachförderung und –therapie. Modifikation von 20 Regelspielen im Sinne der Kontextoptimierung von Hans-Joachim Motsch. München: Avm-Verlag.

MOTSCH, Hans-Joachim (2006): Kontextoptimierung. Förderung grammatischer Fähigkeiten in Therapie und Unterricht. 2. Aufl. München: Ernst Reinhardt-Verlag.