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Referat zum Thema "Umsetzung des neuen Lehrplans am Beispiel ´Deutsch in Klasse 1/2 unter Beachtung sprachheilpädagogischer Gesichtspunkte"

Anne Volkmann (Sprachheilschule Dresden)

Fragestellungen:

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Wie stellt sich die Ausgangssituation der Schulanfänger mit sprachheilpädagogischem Förderbedarf derzeit dar?

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Was steht im Lehrplan Deutsch für Klasse 1/2 Neues festgeschrieben?

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Lassen sich diese Inhalte mit den in Verlagen angebotenen Arbeitsmaterialien für Sprachheilschüler wirkungsvoll realisieren?

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Welchen Weg ist das Förderzentrum Sprachheilschule Dresden gegangen, um den neuen Lehrplan förderspezifisch und möglichst effektiv umzusetzen?

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Wie werden konkret die Schwerpunkte "Förderung der Lernvoraussetzungen" und "Lernen lernen" realisiert?

Sprachauffällige Schulanfänger werden zur Zeit mit einem breitgefächerten Störungsbild in die Sprachheilschulen oder integrativ in die Grundschulen aufgenommen. Sie haben häufig eine schwach entwickelte phonologische Bewusstheit, weisen z.T. starke feinmotorische Schwierigkeiten auf und sind vermehrt durch Wahrnehmungsstörungen beeinträchtigt. Diese Auffälligkeiten, verbunden mit Artikulations- und anderen Sprachstörungen bilden für den Schriftspracherwerb eine teilweise sehr ungünstige Ausgangslage. Einige der eben beschriebenen Probleme erweisen sich bei manchen Kindern als sehr hartnäckig und halten bis in die Oberstufe an. Die LRS- Gefährdung kann bei Sprachheilkindern allgemein als sehr hoch betrachtet werden.
Um so begrüßenswerter ist es, dass einige Schwerpunkte unserer Arbeit mit diesen Kindern jetzt im Lehrplan der allgemein bildenden Schule festgeschrieben worden sind.

1.

Ausgewählte Lehrplanschwerpunkte Klasse 1/2

Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb

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Entwicklung einer differenzierten Wahrnehmungsfähigkeit (auditiv; visuell; rhythmisch/ melodisch; kinästhetisch; taktil)

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Differenzieren der Grob- und Feinmotorik

Entwicklung der phonologischen Bewusstheit

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Artikulieren, Lautieren, Zerlegen, Reimen von Wörtern

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Bestimmen von Lautpositionen im Wort und in der Silbe

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Erkennen und Unterscheiden von Lautqualitäten

Sehr wichtig erscheint der Umstand, dass sich der Lese- und Schreiblehrgang über den Zeitraum der Klassen 1 und 2 erstreckt. Damit kann der Pädagoge das Tempo seines Vorgehens dem Leistungs- und Entwicklungsstand seiner Klasse besser anpassen, ohne die Erfüllung des Lehrplans zu gefährden.
Durch die Festschreibung der Wahrnehmungsschulung und der Entwicklung der phonologischen Bewusstheit ist der Pädagoge sogar dazu verpflichtet, vor dem Schreiben oder Lesen eines Buchstaben die Voraussetzungen seiner Schüler zu prüfen und zu fördern. Die Durchführung eines "Vorkurses" ist also möglich und gefordert, egal in welcher Form und in welchem Zeitrahmen.

Bei der Umsetzung dieser Lehrplanziele mit sprachbehinderten Kindern entdeckt man allerdings bei Betrachtung der auf dem Schulbuchmarkt angebotenen Materialien einige Probleme:

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ungenügend Trainingsmaterial (phonologischer Bewusstheit, Wahrnehmung, Feinmotorik)

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nur geringe Beachtung entwicklungsbedingter Abfolge von Fertigkeiten zum Schriftspracherwerb

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Arbeitshefte mit wenig Material, Gestaltung zusätzlicher Arbeitsblätter für Klasse 1/2 notwendig

Die Kollegen des Förderzentrums Dresden arbeiten schon einige Jahre mit den Methoden des "Kieler Lese- und Rechtschreibaufbaus" nach R. Hackethal/L. Dummer-Smoch. Da aber das oben erwähnte Arbeitsheft zu dieser Methode für Klasse 1 und nun auch Klasse 2 immer wieder durch Übungsblätter und Bildmaterial ergänzt werden musste, entschlossen sich die Kollegen, auf der Grundlage der Idee von R. Hackethal/L. Dummer- Smoch, ein eigenes Arbeitsmaterial zu entwickeln. Dabei stützte man sich auf den strukturellen Aufbau von "Laute - Silben - Wörter".

2.

Strukturierung von Wortmaterial für den Lese- und Schreiblehrgang

Eine Möglichkeit zur Strukturierung von Wortmaterial für das Erlernen der Schriftsprache wird im Kieler Leseaufbau (Dummer- Smoch, Hackethal 1994) erläutert. Es werden drei Schwierigkeitsstufen für das verwendete Wortmaterial beschrieben:

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Schwierigkeitsstufe I:
V KV (O ma); KV KV (Na se); KV KVK (lau fen)
Alle Vokale in der ersten Silbe klingen lang. Bei der Endsilbe mit drei Buchstaben handelt es sich stets um die Endungen -er, -en, -el, die mit jeweils einer Lautgebärde dargestellt werden, wodurch das kurze e nicht deutlich wahrgenommen werden muss.

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Schwierigkeitsstufe II:
KVK KV (Wol ke); KVK KVK (Mor gen); KKV KV (Fra ge); KKV KVK (Gra ben)
Der Silbenumfang bleibt noch auf drei Laute beschränkt (ei, au, ch, sch sind jeweils ein Laut).

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Schwierigkeitsstufe III:
Hierzu gehören Verbindungen wie Str, Spr, Schn sowie Silben mit Konsonantenverbindungen am Anfang und am Ende, in denen die Buchstabenanzahl drei übersteigt (Kind, Grund, Strumpf).

Die Reihenfolge der eingeführten Buchstaben ergib sich aus der Dehnbarkeit der Konsonanten, beginnend mit den nichtplosiven über die plosiven Konsonanten zu den Konsonantenverbindungen und den selteneren Buchstaben wie v, ß, q, x, y.

Es wurden vier Arbeitshefte für die Klassenstufe1/2 erarbeitet:

1.
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4.

Heft: Vorkurs und Erarbeitung der Vokale
Heft: Einführung von 9 Konsonanten, der Endungen -er, -en und der Zwielaute -ei- , -au-
Heft: Beendigung der Einführung aller Buchstaben des Alphabets
Heft: Konsonantenverbindungen und Wörter mit Problemstellungen, z.B. Auslautverhärtungen

3.

Möglichkeit zur Einführung der Buchstaben

1.
2.
3.
4.

A a, O o, I i, U u, E e
M m, R r, S s und L l, Ei ei, N n, Au au, F f
-en, -er und H h, W w, Z z, Ch1/2 ch1/2
P p, T t, K k, B b, D d, G g, Eu eu, Ä ä, Ö ö, Ü ü, J j, V v, ß, Qu qu, X x, Y y, Sch sch, Sp sp, C c, St st, ck, tz, ng, ie, nk, Pf pf, b, d, g am Wortende

4.

In den Arbeitsheften umgesetzte Lehrplanschwerpunkte Klasse 1/2

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Übungen zu Wahrnehmung, Auge- Handkoordinierung, phonologischen Bewusstheit

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Buchstaben und Buchstabenabfolgen: Zeigen und benennen von Buchstabenformen

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Wörter: Gliedern in Wortbausteine und Silben

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Aufbau eines Orientierungswortschatzes (Beherrschen)

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Wortschatz dem Sinn entsprechend verwenden: Wortschatzarbeit, Wortfelder, Wortfamilien

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Kennen rechtschriftlicher Regelmäßigkeiten, Rechtschreibwörterbuch

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Kennen von Wortarten und einer Form der Wortbildung: zusammengesetztes Substantiv

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Kennen von Satzbau und -funktion

Das Entwickeln von Lernstrategien stellt für unsere sprachbehinderten Schüler eine große Hürde dar. Es fällt ihnen schwer, veränderte Aufgabenstrukturen zu erkennen und auf diese ihr erworbenes Wissen anzuwenden. Deshalb fand in den vier Arbeitsheften eine Beschränkung der Aufgabentypen statt (Verwendung gleicher Aufgabenstellungen und -arten, Begleitung durch gleichbleibende Symbolik). Dadurch waren die Kinder sehr schnell in der Lage, selbständig Seiten der Hefte zu bearbeiten. Mit Hilfe der Strategien zur Wahrnehmung und Sprachanalyse konnten die Schüler bei der Erarbeitung der Konsonanten wesentlich schneller vorwärts schreiten. Die Beachtung der Klagqualität der Laute bei der Reihenfolge der Erarbeitung sicherte bei den meisten Schülern, auch solchen mit Verdacht auf Lernschwäche, dass die Fähigkeit zur Analyse und Synthese erworben wurde.
Wir konnten feststellen, dass in den 2. Klassen dieses Jahrgangs fast alle Kinder lesen und lauttreu schreiben gelernt haben.