Informations- / Kommunikations- und Medienzentrum der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus
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Liebe Mitglieder der Landesgruppe Brandenburg, liebe Gäste,
„ Alles neu macht der Mai 2011… „ so wollte ich mich an Sie wenden. Die Meldungen der letzten Monate überschlugen sich teilweise und so überarbeitete ich mein Vorwort mehrmals.
Im Frühjahr 2011 wurde von unserer neuen Ministerin, Frau Dr. Martina Münch der Fahrplan für Brandenburgs Bildungszukunft offiziell bekannt gegeben. Im Mai lud die Ministerin in den 6 Schulamtsbereichen zu Regionalkonferenzen ein.
"Inklusion – auf dem Weg zu einer Schule für alle Kinder"
Eine, von einem Radiomoderator geleitete und gut vorbereitete Diskussionsrunde unseres Ministeriums, mit allen „Bildungsexperten“ – Schulräten, Schulleitern, Eltern usw. Es ging manchmal sehr emotional, aber auch sachlich zu. Im Ergebnis waren sich alle einig, Inklusion ja, aber nicht sofort um jeden Preis.
Der GEW – Vorsitzende von Brandenburg, Herr Fuchs äußerte sich in der Presse:

"Für gemeinsames Lernen fehlen Brandenburg 1200 Lehrer: ... es müssten deutlich mehr Lehrer eingestellt werden und vor allem ein klares Konzept für die Inklusion vorliegen…“

In der "Lausitzer Rundschau" war (19.5.2011) zu lesen: "... das jedes 4. Vorschulkind Sprach- und Sprechstörungen hat. Wie aus der aktuellen Einschulungsuntersuchung hervorging, bleibt der Zustand der Vorjahre fast unverändert - trotz Hilfsangeboten (verpflichtende Sprachstandserhebung und Förderung im letzten KITA - Jahr). Hoffnung macht eine neue Bundesinitiative zur Sprachförderung", weiterhin ist zu lesen: „Fast jedes 3.Kind in Brandenburg hat bei seiner Einschulung Sprachmängel (29% der Kinder insgesamt).“

Als Fachverband stehen wir sehr offen der „ gemeinsamen Schule“ gegenüber. Statt Spannung und Neugier zu wecken kommt die „Inklusion“ immer so ein bisschen im Mantel eines Gespenstes daher. Alle reden darüber, aber wie es genau aussieht… Ich würde mich sehr gern einbezogen fühlen, dem Gespenst die Angst nehmen, im Miteinander und in der Wahrung der Professionalität und Fachlichkeit.

Herr Zupp – der Bundesvorsitzende der dgs hat es kürzlich in einem Interview treffend formuliert… (www.dgs-ev.de)

An Förderschulen gibt es große Ressourcen und Erfahrungen an spezifischer Förderung, gerade dass sollte einen Schwerpunkt darstellen im Prozess der Gestaltung und Entwicklung hin zur „Inklusiven Schule“…

Verglichen mit der Medizin oder dem Hochleistungssport (siehe Vorwort „Sprachheilarbeit“ 2/2011 - Tim fragt Tom) würde keiner auf die Idee kommen einen Arzt für alle „Fälle“ verantwortlich zu machen, mal ehrlich, wer geht mit Zahnschmerzen zum Hausarzt. Wenn die Fußballnationalmannschaft spielt wird jeder Zuschauer geschätzt, aber nicht jeder gehört zur Mannschaft… Hier kommt nicht nur eine große Aufgabe auf Schule zu, hier ist besonders die Gesellschaft gefragt.

Die Konvention spricht von einem gleichen Recht aller Kinder auf Bildung, demnach sollen zukünftig Kinder mit und ohne Behinderung nicht mehr getrennt sondern gemeinsam unterrichtet werden. Damit kommen auf das gesamte deutsche Bildungssystem große strukturelle, personelle, materielle, räumliche sowie pädagogische und vor allem finanzielle Herausforderungen zu. Der gemeinsame Schulbeginn für alle Kinder in „einer Schule“ ist machbar, aber die Bedingungen müssen stimmen, damit inklusive Bildung nicht zur inklusiven Vernachlässigung wird.

Im letzten Schuljahr wurden Modellschulen gesucht, die das Modell „Inklusive Schule“ als Versuch zum Schuljahr 2011/12 starten sollten. Pilotschulen sollen probieren, Wege suchen wie es gelingen kann…

Auch Förderschulen leisten eine großartige Arbeit, entsprechende Ergebnisse der Schulvisitation belegen das. Unsere Ministerin würdigte bei den Regionalkonferenzen in einem Satz die Arbeit der Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt, keine öffentliche Wertschätzung. Es bleibt also, das Potential dieser Schulen zu nutzen, um so die Entwicklung dieser großen Idee voranzutreiben.

Warum sollten wir uns in diesen „Umbruchzeiten“ noch in einem Fachverband engagieren? Gerade, weil wir den Austausch brauchen, Neues und Verbindendes weitergeben müssen und uns vor allem für die großen Aufgaben der Zukunft ein fachliches Zuhause suchen müssen. In Dortmund 2010, auf dem 29. Bundeskongress der dgs konnte man sehr deutlich spüren, wie groß diese Familie ist und das alle das gleiche Ziel verfolgen, dem sprachauffälligen Kind zu helfen seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden. Das unsere Ministerin interessiert und lernfähig ist, zeigen neuere Äußerungen zu Beginn des Schuljahres: „Wir werden uns Zeit lassen für die Entwicklung einer neuen, der inklusiven Schule.“

Treffend auf den Punkt bringt es Herr Jürgen Maresch, selbst betroffener Vati, Landtagsabgeordneter und Sprecher für Menschen mit Behinderung und Minderheiten:„Es ist eben nicht damit getan Regionalkonferenzen abzuhalten und die eigentlich Betroffenen draußen zulassen. Er reicht nicht nur schön zu reden. Es müssen Taten folgen. Die Eltern wollen das beste für ihre Kinder. Wer kann es ihnen den verdenken. Sie und die eigentlich Betroffenen müssen überzeugt werden. Das ist der Ministerin bisher nicht gelungen.“

Am 25. Februar 2012 werden wir in Cottbus einen neuen Landesvorstand wählen. Gesucht werden interessierte Kollegen, die bereit sind Verantwortung in der LG zu übernehmen. Es ist an der Zeit, dass ein Jüngerer die Geschicke für Brandenburg lenkt. Ich möchte Sie schon heute herzlich dazu einladen.

Merken Sie sich diesen Termin jetzt vor, weil wir im 1.Teil Frau Dr. Karin Reber aus München zu einer Fortbildungsveranstaltung begrüßen dürfen. Näheres finden Sie unter „Veranstaltungen“ . Bringen Sie Ihre Kollegen, Grundschullehrer, Sonderpädagogen, Erzieherinnen mit nach Cottbus. Alle sind herzlich willkommen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.

Michaela Dallmaier